Der intuitive Weg des Herzens
- dagmarwegendt8
- 3. Feb. 2024
- 5 Min. Lesezeit

Ich-Bewusstsein, Selbst-Bewusstsein, Seelen-Landeplatz, Intuitiver Weg des Herzens, was ist mit alldem gemeint?
Nun das „Ich-Bewusstsein“ kennt jeder. Es ist unser alltäglicher Bewusstseinszustand. Das ist die Person, die wir glauben zu sein, mit ihren Erlebnissen, Eigenarten, Erfahrungen, mit ihrer individuellen Geschichte. Unser Bewusstsein ist meistens im Ich-Denken verankert. All unser Tun, all unser Erleben, wird auf ein Ich-Zentrum bezogen, auch wenn dieses Zentrum sich bei näherem Erforschen als imaginär und illusionär erweist, also nicht wirklich real existent ist. Also eher ein Konzept ist mit einer energetischen Ladung.
Die allermeisten Menschen leben ausschließlich aus diesem Ich-Zentrum heraus. Sie haben oft keinen direkten Zugang mehr zur „Quelle“ ihres Seins. Wenn wir jedoch ausschließlich aus dem begrenzten Ich-Bewusstsein heraus leben ohne die Erfahrung zu machen, mit etwas Größerem verbunden zu sein, was uns trägt, leitet und nährt, brennen wir aus. Wie wir leicht sehen können, ist das der Zustand unserer, ausschließlich im Ich-Bewusstsein verankerten westlichen Welt.
Das Ich ist eine Erscheinung im Bewusstsein und wie alle anderen Erscheinungen, ist es begrenzt, unbeständig und vergänglich. Das Ich ist also brüchig und in seiner Existenz dauerbedroht. Deshalb befindet es sich häufig in einem Überlebensmodus, also in einem Zustand der Selbstverteidigung, der Angst, des Kampfes oder der Kontrolle. Das ist anstrengend und oft leidvoll. Das Ich-Bewusstsein ist die Identifikation mit einer Geschichte, es ist die oft leidvolle Erzählung darüber, wer wir sind und wie wir derjenige geworden sind, der wir sind. Es ist die Identität, die wir angenommen haben und die wir mit unseren Geschichten immer wieder füttern und somit aufrechterhalten, egal wie leidvoll sie auch sein mag.
Das war nicht immer so, weder in der menschheitsgeschichtlichen Bewusstseinsentwicklung, noch in der individuellen. Denn kein Mensch kommt mit einem Ich-Bewusstsein auf die Welt. Das Ich als Zentrum unseres Daseins entwickelt sich so ab eineinhalb Jahren. So richtig etabliert ist es dann aber erst ab der Pubertät, das ist der Lebensabschnitt, in dem die Vorstellung von mir selbst, wer ich bin und sein will, mehr und mehr ins Zentrum meines Erlebens rückt. Das heißt unser Sein verankert sich zunehmend im vorstellenden Denken.
„Ich denke, Ich fühle, Ich handle, Ich entscheide“.
„Dies ist mein Leben, das ist mir passiert.“
All diese Ich-Vorstellungen sind stark mit dem Denken verwoben. Doch ohne Gedanken, wo ist dieses Ich, von dem wir sprechen?
Nehmen wir zum Beispiel den Satz:
„Du hast mich gekränkt“.
Wenn du nun den Gedanken beiseitelässt, wo ist dann das gekränkte Ich? Kannst du eins finden?
Wenn alle Gedanken verblasst sind, was bleibt?
Kein Ich, keine Kränkung, nur diese stille, friedvolle und offene Präsenz ohne Zentrum. Dies ist der Landeplatz unserer „Seele“.
Diese Präsenz ist unser ursprüngliches, unveränderliches, zeitloses Zuhause -unser Selbst- das was wir in unserer Essenz sind und immer waren.
Meditation bedeutet einfach, dessen gewahr zu sein und zu erkennen, dass wir immer aus diesem Gewahrsein heraus leben, auch wenn es uns anders erscheint.
Das ist der Weg des Herzens. Intuitiv bedeutet dabei, unmittelbares Erkennen, zugänglich vor jeglichem Denken.
Das Ich-Bewusstsein ist allerdings nicht nur im Denken verankert, sondern auch ein energetisches Geschehen, ein energetischer Knotenpunkt, eine Art von energetischer Spannung, die wir im Körper verorten. So fühlt es sich dann an, Ich zu sein. Doch wenn wir das Ich im Körper suchen, werden wir es nicht finden können, in keinem Körperteil, auch nicht zwischen den Ohren. Mach mal das Experiment. Schon der Satz: „Das ist mein Körper“, weist darauf hin, dass wir uns nicht für diesen Körper halten. Wo ist nun dieses numinose Ich, das einen Körper hat.
Der Körper selbst ist schon ein Konzept. Er erscheint wie alles andere auch (zB. Gedanken und Gefühle) als Sehen und Fühlen in diesem unergründbaren, weder in Raum und Zeit lokalisierbaren offenen Gewahrsein, das wir sind.
Auch die Emotionen, für die wir uns oft fälschlicherweise halten, wenn wir zum Beispiel sagen: „Ich bin wütend“, ist nicht, was wir in unserer Essenz sind. Auch sie sind ein energetisches Geschehen, kommen und gehen als Körperempfindungen im Gewahrsein.
Selbst-Bewusstsein ist das unmittelbare Erkennen unserer wahren Essenz, jenseits von Worten und Gefühlen. Selbst-Bewusstsein bedeutet, das Bewusstsein sich seiner selbst bewusst ist, weiß dass es existiert. Es weiß schlicht und ergreifend, das es ist. Dieses Wissen ist unmittelbar gegeben, dafür bedarf es keiner Worte oder Gedanken. Dieses Wissen ist vor jeglicher Erfahrung. Ich muss weder nachschauen, noch nachspüren ob ich da bin. Ich weiß es einfach.
Selbst-Bewusstsein ist das, was du in deiner Essenz bist, also braucht es keine Übung dafür, auch keine Achtsamkeitsübung um Selbst-bewusst zu sein. Es genügt sich darauf auszurichten. Wie das geht? Ganz einfach.
Wenn ich dich frage, „bist Du da?“ fällt die Aufmerksamkeit, die für gewöhnlich immer auf etwas, ein Wahrnehmungsobjekt, ausgerichtet ist, auf sich selbst zurück und was dann bleibt, ist Bewusstsein, dass sich selbst erkennt. Egal wie oft oder wann ich dir die Frage stellen würde, ob du da bist, die Antwort wäre immer, ja. Du kannst dich somit Selbst niemals verpassen. Selbst-Erkenntnis braucht keine Übung, keine Zeit, ist immer unmittelbar und muss durch nichts abgeleitet werden. Ich bin nicht da, weil Gedanken, Gefühle oder Empfindungen da sind. „Ich bin da“ ist immer ursprünglich gegeben. Dieses Dasein ist ganz ursprünglich, ist von nichts ableitbar und durch nichts bedingt.
Diese Stille offene Präsenz, die übrigbleibt, wenn nichts erzählt wird, ist unverfügbar, bedingungslos und frei. Sie ist die unverfügbare und unerschöpfliche „Quelle“ allen Seins. In ihrer Bedingungslosigkeit wird sie auch als (bedingungslose) Liebe bezeichnet. Im persönlichen Erleben, ist es der Weg des Herzens.
Es ist nicht immer einfach dem Weg des Herzens zu gehen. Denn das bedeutet, dass man berührbar ist und sich verletzlich macht und anerkennt, dass man nicht der „Macher“ des eigenen Lebens ist. Dem Weg des Herzens zu folgen bedeutet in letzter Konsequenz, sich dem Leben voller Vertrauen zu überlassen, aus dem Wissen heraus, dass wir dieses ungeteilte Ganze - „Leben“- sind, dass sich jeglicher Kontrolle entzieht, und dass wir immer aus dieser Ganzheit heraus gelebt wurden. Das ist für das Ich-Bewusstsein äußerst bedrohlich.
Wenn wir Stärke mit unverletzlich sein gleichsetzten, folgen wir dem Ego, der Überlebensstrategie und unsere Herzen bleiben verschlossen. Das bedeutet, dass die unbegrenzte Energie, von der wir nie getrennt sind, nicht zur Verfügung steht. Wir verhindern und vermeiden den Fluss der Liebe. Unser Leben wird anstrengend, unbefriedigend, erschöpfend.
Selbst-Bewusstsein in Bewegung ist mühelos, denn es ist immer mit dem, was gerade ist und nicht mit dem, wie es sein oder nicht sein sollte. Selbst-Bewusstsein ist der spontane, phänomenologische Zugang zum Leben. Dieser Zugang ist immer möglich. Wir müssen nur der Einladung folgen.
Liebe ist Bewusstsein in Bewegung.
Sie schließt bedingungslos alles ein- alles- auch das Bedingte und Ungeliebte, das Hässliche, Schmerzhafte und Schwere, ausnahmslos alles. Lieben, was ist, ist pure Akzeptanz.
Das Ich kann nicht lieben, was ist. Das Ich-Bewusstsein lebt und überlebt durch Abgrenzung. Auch das ist natürlich das, was ist und in dieser Liebe miteingeschlossen. Denn diese Liebe ist völlig unpersönlich, sie kennt keine Vorlieben. Diese Liebe ist das, was bleibt, wenn die Ich-Geschichte wegfällt und das Herz sich öffnet, für das, was ist, was sich von Moment zu Moment zeigt.
Wir sind oft in der Abwehrstrategie, auch wenn es nicht nötig ist. Und viele Menschen befinden sich in einem dauerhaften Überlebensmodus ohne es zu bemerken. Ihre Identität wird aus einer Opfergeschichte gespeist.
Direktes Schauen, dass wir mehr sind als diese Ich/Ego-Struktur ist der weglose Weg vom Kopf ins Herz. Weglos deshalb, weil der Zugang unmittelbar ist.
Du musst nur der Einladung folgen, mehr ist nicht nötig.



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